Am Día de los Muertos am 31. Oktober 2018 haben wir einen Altar zum Gedenken an Julián Carillo aufgebaut, einen Mitarbeiter unserer Partnerorganisation Alianza Sierra Madre, dessen Leiche, von zahlreichen Kugeln durchsiebt, am 24. Oktober in den Bergen unweit seiner Heimatgemeinde Coloradas de la Virgen gefunden wurde. Der Mord geschah wenige Wochen, nachdem die indigene Gemeinschaft von Coloradas de la Virgen offiziell Protest gegen eine ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen erteilte Bergbaukonzession zur Ausbeutung der Bodenschätze auf dem Boden der Gemeinde eingelegt hatte. Die kleine Gemeinde im Süden der Sierra Tarahumara gehört zu den Kommunen mit der höchsten Rate an Gewaltverbrechen in Mexiko. 2017 war hier bereits ein weiterer Mitarbeiter der Alianza Sierra Madre, der Umweltaktivist und Menschenrechtler Isidro Baldenegro López, ermordet worden. In diesem Jahr wurden bereits 21 Menschenrechtsaktivisten in Mexiko umgebracht, darunter neun aus indigenen Gemeinschaften. Vier Mitglieder der Familie von Julián Carillo – ein Sohn, ein Schwiegersohn und zwei Neffen – sind seit Februar 2016 den Mordkommandos der Drogenmafia zum Opfer gefallen. Keiner der Mörder ist zur Verantwortung gezogen worden, obwohl in manchen Fällen genau bekannt ist, wer die Morde begangen hat. Die Täter bleiben straffrei, weil die Mafia mit den lokalen Behörden und der Polizei unter einer Decke stecken. Der Mord an Julián Carillo hat zu einer scharfen Protestnote mehrerer UN-Sonderberichterstatter geführt, Amnesty international hat sich eingeschaltet, die internationale Presse hat über den Fall berichtet. Kórima e.V. stellt – dank Ihrer Spenden – Mittel zur Verfügung, um an Leib und Leben bedrohte Menschenrechtsaktivisten zu schützen.

Nach langer Zeit zurück. Am Donnerstagnachmittag landen Magdalena und ich in Chihuahua, Isela Gonzales – die Direktorin unserer Partnerorganisation Alianza Sierra Madre – und ihre Tochter holen uns vom Flughafen ab. Sofort steigen wir ins Thema ein. Was hat sich alles verändert in den letzten Jahren? Einige frühere Mitarbeiter arbeiten jetzt in staatlichen Organisationen, versuchen so, die Menschenrechtsarbeit voranzutreiben, unterstützen die Alianza aber weiterhin.

Am 1. Februar 2017 wurde Juan Ontiveros Ramos, Polizeichef der Gemeinde Choréachi (Pino Gordo), entführt und ermordet. Er war gerade aus Chihuahua zurückgekehrt, wo er zusammen mit den traditionellen Autoritäten vor der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte über die Unsicherheit und Gewalt in seiner Heimatgemeinde berichtet hatte.

Am 16. Januar 2017 erlag der bekannte Umweltaktivist und Menschenrechtler Isido Baldenegro López seinen Verletzungen, nachdem er am Tag zuvor angeschossen worden war. Schauplatz des Geschehens war die Gemeinde Coloradas de la Virgen im Süden der Sierra Tarahumara, die zu den Kommunen mit der höchsten Rate an Gewaltverbrechen in Mexiko gehört. Seit vielen Jahren unterstützt die Alianza Sierra Madre A.C. die indigene Bevölkerung von Coloradas de la Virgen in ihrem Kampf um Landrechte gegen die lokalen Gewalthaber. Der Blutzoll ist hoch: Seit 1973 wurden elf indigene Führer in Coloradas de la Virgen von der Mafia ermordet. Unbeirrt setzt die Alianza ihre Arbeit fort - und wir unterstützen sie dabei!

Ein Ausstellungsprojekt von Kórima e.V.

Seit sieben hochrangige Drogenbarone in Polohemden der Marke Ralph Lauren festgenommen wurden, boomt die Produktpiraterie: Überall in Mexiko finden billige Nachahmungen der bekannten Hemden mit dem Polospieler reißenden Absatz. Wer ein solches Hemd trägt, könnte ein Narco sein, Angehöriger eines der mächtigen Drogenkartelle, die mittlerweile einen Staat im Staate bilden.

Telefon 05203 / 69 49 (Ellen Schriek)
und 05723 / 9588904 (Hans-Walter Schmuhl)
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Hans-WalterSchmuhl@korima.de